Lobende Erwähnungen der Jury

Found&Lost (Internationaler Dräxlmaier Kurzfilmpreis / International Dräxlmaier Short Film Award) von Reza Rasouli

Die Begründung der Jury:

Ein alter syrischer Familienvater, der in einem Wiener Nachtclub Toiletten putzt, findet eines Nachts dort eine Geldbörse und beschließt, diese persönlich ihrem Besitzer zurückzugeben. Die Odyssee, die darauf über ihn hereinbricht, bringt ihn zu dem Schluss, dass in unserer Welt sich stumpfe Regelhörigkeit mehr bezahlt macht als guter Wille. Der Autor und Regisseur Reza Rasouli hat eine universelle Geschichte geschaffen, die durch ihre Einfachheit besticht, und in ihrer bitteren Ironie sowie ihrem tiefgreifenden Humanismus womöglich politischer ist als so manches Werk, das sich selbiges auf die Fahne schreibt. Aus diesen Gründen möchten wir an dieser Stelle eine lobende Erwähnung für das Drehbuch des Filmes FOUND AND LOST von Reza Rasouli aussprechen.

Klee (Deadline_Award) von Gavin Baird

Die Begründung der Jury:

Für unsere Honorable-Mention kann es nur einen Film geben: KLEE von Gavin Baird! Gedreht auf körnigem 16mm Kodak-Material erzählt der kanadische Film von einem Außerirdischen in Gestalt eines First Nation Mannes, der eine Siedlerfamilie infiltriert. Aufbauend auf rassistischen Vorurteilen wird der ominöse Fremde zum Feindbild und pervertiert exotischen Objekt der Begierde gleichermaßen. In bester Outsider-Art-Tradition wird dieses Szenario als lustvoller Rache-Horror inszeniert, alles wirkt merkwürdig entrückt und künstlich. Kostüme aus dem historischen Museum, ein elastischer, ins Unendliche dehnbarer Penis und eine ganze Familie, die dem mysteriösen „Fremden“ verfällt. Emanzipation und Satire geben sich die Klinke in die Hand, das Alien dient als Projektionsfläche und subversive Überspitzung gleichermaßen.
So entsteht ein männlicher Spin auf den Vagina-Dentata-Mythos, der triumphale, verführerische KLEE tritt als personifizierte Rache und selbsternannter Boogeyman auf.
Immer noch aktuelle Themen treffen auf eine Faszination für das 70er Jahre Kino, erneut seien die wunderschönen Analog-Bilder erwähnt. Ein seltsamer, im besten Sinne unheimlicher Film, der seine ernsten Themen mit einer großen Lust am Sex und ästhetisierten Tabubruch verhandelt.
Unsere Honorable Mention und ein faszinierendes Stück Horror-Kunst – die Invasion der Invasoren!

Larven (DaHome Award) von Amina Krami

Die Begründung der Jury:

Unsere Honorable-Mention in der Sektion DaHome geht an den einzigen Dokumentarfilm des Wettbewerbs. LARVEN von Amina Krami. In lang gehaltenen, kontemplativen Einstellungen wird die Geschichte eines Dorfes und ihres umstrittenen Brauchs erzählt. Einmal im Jahr werden die Männer zu Krampussen. In die „Holzlarve“ schlüpfen sie, maskiert werden die wilden Triebe ausgelebt. Wie ein Schauermärchen mutet dieser ruhige Film an, die Tradition ist längst zu einem eigenen Mythos geworden. Wie von selbst werden die Kostüme angelegt, die Dorf-Mädchen gejagt, das „Ungezähmte“ zelebriert. Krami steht mit ihrem Kameramann Anian Krone distanziert daneben, legt O-Töne über die verwunschenen Bilder. Die Geschichte der Krampusse scheint sich in diesen Ort eingeschrieben zu haben, stolz posieren die Jugendlichen mit ihren aufwendigen Kostümen. Nichts aber kann die bedrohliche Atmosphäre kaschieren, die sich wie Nebelschwaden über die Landschaft legt. Der Kirchturm färbt sich rot, das Schauspiel bemächtigt sich der Wirklichkeit. Ein Unfall geschieht, und spätestens jetzt wird überdeutlich: Der Mythos ist längst real geworden, hat die Wirklichkeit verändert, transformiert auch diesen Dokumentarfilm und lässt ihn auf einer tragischen, unvorhersehbaren Note enden. Die Krampusse lassen sich nicht länger kontrollieren, die eigene Heimat wirkt entfremdet, ausgerechnet durch jene Tradition, die sie selbst hervorgebracht hat, auf die alle so stolz waren.